Idee

Wir alle werden Kompost sein – Vom Reiz des Verrottens!

“Humus and humans compose and de-compose each other” (Salazar et al. 2020)

Das Kompost Festival erkundet Mensch-Umwelt-Beziehungen tiefgründig und praktisch. Im  Zwischenbereich von Wissenschaft, Kunst und zivilgesellschaftlicher Praxis fragt es nach Möglichkeiten und Grenzen der sozio-ökologischen Transformation. Es bietet eine interaktive Plattform für experimentelle Formate und gemeinschaftliche Formen Wissen aber auch Würmer zu erschaffen: Auf der Suche nach fruchtbaren Mensch-Boden Kreisläufen rund um (Bio)Müll.

Kompost verstehen wir klassisch als alltägliche gärtnerische Praxis und fruchtbare Mensch-Umwelt Beziehung, die uns eine bodenständige und sinnliche Schnittstelle zum Dialog mit der „erdverbundenen“ (Bruno Latour 2018) Öffentlichkeit eröffnet. 

Gleichzeitig verwenden wir Kompost als Metapher für Metamorphosen (Um/verwandlungen). Beim Kompostieren verwischen die Grenzen zwischen Leben und Tod, Mensch und Umwelt, Bio- und Geosphäre sowie Stadt und Land (vgl. Salazaar et al. 2020). Kompost ist ein Sammelbegriff für Prozesse des Moderns, Zersetzens und Vergehens wie auch des Transformierens, Fruchtbarmachens und Aufbaus.

Kompost dient uns daher als Sinnbild sowie Vision für symbiotische, kollektive sozio-ökologische Transformationsprozesse sowie -techniken (vgl. Donna Harraway 2018) und somit als diskursive Schnittstelle für partizipative rurbane Ökologien. Hier stellen wir uns die Frage, wie uns die, dem Kompost inhärenten symbiotischen Mensch-Tier-Pflanzen Netzwerke als Inspiration für glokale sozial-ökologische Entwicklungsprozesse dienen können.

Des Weiteren fungiert Kompost als eine Klammer für die „Erd-Kunden“, als Verbindungselement zwischen den Geowissenschaften. Schlussendlich dient diese dünne Schicht des Er(d)Lebens als glokaler Bezugsrahmen der sich zwischen Kleingärten, Müllsammler*innen und Kompostwürmern entfaltet und uns die Frage eröffnet: Was können wir vom Kompost lernen?

Es ist „vielleicht an der Zeit, nicht mehr von Menschen, Humanwesen zu sprechen, sondern von Terrestrischen, von Erdverbundenen, um damit den Humus, letztlich den Kompost herauszustreichen, der in der Etymologie von »human« steckt. (Bruno Latour, 2018)

„Wir sind Kompost, nicht posthuman; wir bewohnen den Humunismus, nicht den Humanismus.“ (Donna Harraway, 2018).